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Newsletter 11/2006 – Podcasting für Unternehmen

Podcasting, also das Abonnieren von Audio- oder Video-Dateien übers Internet, gehört zum so genannten „Web 2.0“ und ist damit in aller Munde. Wenn Sie sich fragen, ob Sie die Chancen dieses neuen Mediums für Ihr Unternehmen nutzen sollten, fragen Sie sich zunächst, ob sich das auch lohnt. Im Folgenden ein paar Denkanstöße, die Ihnen helfen, das zu beurteilen.

Was ist Podcasting?

Ein Podcast ist „Radio zum Mitnehmen“. Es handelt sich um Audio-Dateien, die man aus dem Internet lädt und auf seinem PC oder auf einem MP3-Player anhört. Das Wort setzt sich zusammen aus dem Namen des bekanntesten MP3-Players, dem iPod, und dem Wort „broadcast“, also „senden“.

Doch man kann Podcasts nicht nur mit iPods, Handys oder anderen MP3-Playern anhören, sondern auch am Computer. Alles was man braucht, ist eine schnelle Internetanbindung und Lautsprecher oder Kopfhörer.

Es gibt auch Video-Podcasts, die als Videocasts oder Vodcasts bezeichnet werden.

Ganz wichtig: Podcasts werden abonniert. Das heißt, der Nutzer entscheidet sich einmal für einen Podcast, das von ihm verwendete Programm (z. B.  iTunes) lädt dann automatisch die neuen Folgen auf seinen Computer, sobald sie bereit stehen.

In selbst gewählten Abständen stellt der Podcaster, also der Programmmacher, neue Folgen bereit. Podcasts sind mit ganz wenigen Ausnahmen kostenlos.

Wer bietet Podcasts an?

Es gibt weltweit derzeit ca. 65.000 Podcasts, in Deutschland um die 2.000. Dabei sind vieles Hobby-Projekte mit Themen von Angeln über Bücher, Computersicherheit bis hin zu Zen-Buddhismus. Doch immer mehr Profis steigen ein: viele Printmedien (Financial Times Deutschland, Kicker, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung…) und Radiosender (Antenne, BR, NDR…). Und auch Unternehmen nutzen schon das Potenzial von Podcasts (z. B. BMW, Coca Cola, IBM, Karlsberg Brauerei, Krankenkasse BIG direkt).

Was spricht für Podcasting?

Für den Nutzer haben Podcasts viele Vorteile: Er kann die Inhalte hören, wann und wo es ihm passt. Auf dem Weg ins Büro im Auto oder in der Bahn, beim Sport, in der Arbeit oder abends zu Hause. Er kann sich die Mischung zusammenstellen, die genau seinen Interessen entspricht: Unterhaltungssendungen, Musik seiner Wahl, Unternehmensnachrichten, News… genau in der Menge und Detailtiefe, die er wünscht.

Für das Abonnieren muss der Nutzer seine Mailadresse nicht weitergeben, er hat also keine Angst vor Spam, die Hemmschwelle zum Abonnieren ist daher geringer als bei E-Mail-Newslettern. Auch enthalten Podcasts normalerweise keine störende Werbung.
Weitere Fakten, die dafür sprechen, dass sich Podcasts schnell weiter durchsetzen:

  • Akzeptanz von Audiodaten/MP3 (iPod, Handys; iTunes – 1 Milliarde Downloads in weniger als 3 Jahren – , Musicload u.a.)
  • Renaissance des Hörens (Hörbücher einziger Bereich im Buchhandel mit Umsatzsteigerung)
  • Weite Verbreitung DSL (60 Prozent aller Erwachsenen nutzen Internet, 50 Prozent davon mit Flatrate lt. ARD/ZDF-Online-Studie 2006)
  • Starke Nutzung Internet (119 Minuten täglich lt. ARD/ZDF-Online-Studie 2006)
  • Starke Affinität zu Audio (186 Minuten täglich genutzt)
  • Lange Wege (Durchschnittl. Arbeitsweg 24 Minuten einfach)
  • Individualisierung der Mediennutzung (spezielle Zeitschriften, Websites im Internet für alle erdenklichen Spezialthemen, Fernsehen mit Festplatten-Videorecordern usw.)

iPods sind inzwischen allgegenwärtig. Mercedes, BMW und andere Autohersteller haben einen iPod-Anschluss in ihre Wägen integriert. Eine riesige Menge von iPod-Zubehör wird angeboten. Alle Handys mit MP3-Funktion können Podcasts, viele sogar Videocasts wiedergeben.

Was bringt Podcasting?

Mit einem eigenen Podcast haben Unternehmen die Möglichkeit, sich regelmäßig direkt an ihre Kunden zu wenden. Diese hören ihnen freiwillig für bis zu 45 Minuten zu und verbreiten die Nachrichten oft auch noch weiter. So macht man Kunden zu Botschaftern der Marke.

Die größten Vorteile für Unternehmen im Überblick:

  • Geringe Streuverluste (nur wer sich für das Thema interessiert, abonniert)
  • Kommunikation in beliebiger Länge und Gewichtung (nur begrenzt durch Nutzer-Interesse an Themen)
  • Stärkung der Marke durch emotionale Ansprache (Hören ist persönlicher als Lesen)
  • Hörer-Beteiligung durch Beantwortung von Fragen; Gewinnspiele
  • Möglichkeit für Hinweise auf Aktionen, Sonderangebote, Website etc.

Außerdem bekommt man durch das Feedback der Hörer wertvolle Informationen über Wünsche, Meinungen und Ideen der Kunden.
Podcasts binden Kunden langfristig und stärken die Marke. Sie eignen sich besonders für junge, technikaffine Zielgruppen, die dem neuen Medium aufgeschlossen gegenüberstehen. Der „Podcastumfrage“ von 2006 zufolge sind Podcasthörer überdurchschnittlich gut ausgebildet, jung (30 Jahre im Schnitt) und verfügen über ein hohes Einkommen.

Läuft der Podcast gut, kann man sogar Partnerunternehmen anbieten, kurze Promo-Hinweise zu schalten und so für eine Re-Finanzierung der Produktion sorgen.

Ein zusätzlicher aktueller Nutzen: Nachdem das Medium noch jung ist, wird über neue Podcasts in den klassischen Medien häufig und ausführlich berichtet, er kurbelt also die PR an.

Wie hoch sind die Kosten einer Podcast-Produktion?

Podcasts sind deutlich günstiger als andere Werbeformen. Als Anhaltspunkt: Für den Preis einer Anzeige in einer Zeitschrift mit geringer Auflage bekommt man bereits ein auf die Kunden zugeschnittenes Podcast-Konzept inklusive Kommentar-Mini-Website und sechs Folgen.

Zwar erzielen Sie mit einem Podcast weniger Kontakte, dafür haben diese aber unvergleichlich höhere Qualität. Eine Anzeige wird von vielen Lesern überblättert, von wenigen kurz überflogen und nur von sehr wenigen mehrere Sekunden be­trach­tet. Ein guter Podcast dagegen wird ganz angehört – also dauert der Kontakt mit dem Kunden zwischen 5 und 45 Minuten. Zusätzlich kommen virale Effekte zum Tragen: gute Podcasts werden weiterempfohlen an Freunde und Bekannte.

Wann sind Podcasts nicht sinnvoll?

Wie immer ist die Frage nach der Zielgruppe die erste, die Sie sich bei der Konzeption stellen sollten. Wen wollen Sie erreichen? Und wie bekommen Sie diese Zielgruppe dazu, Ihren Podcast zu abonnieren? Welche Themen interessieren die Hörer?

Nicht sinnvoll sind Podcasts, wenn Sie eine sehr kleine Gruppe potenzieller Kunden haben. Bieten Sie etwa Software für die Simulation der Temperatur in Wohngebäuden an, wäre ein Podcasts mit Tipps und Tricks, Neuigkeiten und aktuellen Projektbeispielen sicher eine schöne Sache. Doch in Anbetracht der wenigen Anwender für solche Spezial-Programme wäre der Aufwand für die Podcastproduktion wohl zu hoch für den möglichen Effekt.

Auch problematisch ist es, wenn Ihre Zielgruppe wenig im Internet unterwegs ist und/oder langsame Internet-Anbindungen hat. Dann sind die technischen Hürden, einen Podcast zu abonnieren sehr hoch und Sie müssen intensives Marketing in anderen Medien treiben, um eine relevante Zahl von Abonnenten zu gewinnen.

Was Sie auf keinen Fall machen sollten, ist das Podcasten „einfach mal auszuprobieren“. Die Hörer eines Podcasts erwarten Regelmäßigkeit. Bekommen sie nicht mindestens einmal pro Monat, besser noch einmal pro Woche eine neue Folge, nehmen sie an, der Podcast würde nicht mehr weitergeführt, oder der Betreiber nehme seine Abonnenten nicht ernst. Haben Sie dazu nicht die Zeit oder das Budget, verzichten Sie lieber auf das Podcasten.

Es spricht aber nichts dagegen, einen Podcast für ein paar Monate zu testen. In diesem Zeitraum sollten Sie alle ein bis zwei Wochen eine Folge produzieren und können gegen Ende des Pilotprojekts entscheiden, ob Sie den Podcast weiterführen. Ebenfalls denkbar sind Podcasts zur Produkteinführung. Bei diesen ist von Anfang an bekannt, wie lange neue Folgen bereitgestellt werden – zum Beispiel bis zum offiziellen Verkaufsstart.

Weitere Entwicklung des Podcastings

Es ist sehr einfach geworden, Inhalte zu produzieren und zu verbreiten. Die meisten traditionellen Medien schlafen nicht, passen sich an die neuen Seh- und Hörgewohnheiten an und produzieren Podcasts. Auch nutzen immer mehr Unternehmen die Möglichkeit, direkt über Podcasts zu den Kunden zu gelangen. Wie wir in der Zukunft genau Medien nutzen werden, ob Radio und Fernsehen ins Internet gehen oder das Internet ins Fernsehen, ist letztlich unwichtig. Klar ist nur, dass die Nutzer immer stärker selbst bestimmen, welche Medien sie wo und wann nutzen. Das bietet für viele Unternehmen eine große Chance.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt diese Chance zu nutzen. Ich begeistere mich so stark für dieses Thema, dass ich eine Firma gegründet habe, die die Podcast-Produktion anbietet – die Content Crew GmbH.

Weitere Informationen

Mehr dazu sowie viele Hintergrund-Infos zu Podcasting (Verbreitungszahlen, Technik usw.) finden Sie unter:
www.content-crew.de
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(c) Jens Jacobsen 2006

Bei Weiterleitung oder Zitat bitte Quellenangabe („Quelle:
benutzerfreun.de-Newsletter November 2006“).

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Reaktion(en) (4)
Das persönliche Radioprogramm – willkommen in der Zukunft. | benutzerfreun.de • vor4 Jahren

[…] Dutzende von Teams dran. (Damals habe ich dann statt dessen die Content Crew GmbH gegründet, um Podcasts für Unternehmen zu […]

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Die besten Podcast-Apps fürs iPhone | benutzerfreun.de • vor4 Jahren

[…] Podcasts, das personalisierte Radio zum Mitnehmen, haben zwar keinen Massenmarkt erreicht. Und doch habe sie sich in ihrer Nische gut etabliert. Ein Problem jedes Podcast-Hörers ist nach wie vor, die verschiedenen Hörinhalte zu verwalten. […]

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Podcasts – wie finanzieren sie sich? - benutzerfreun.de • vor3 Jahren

[…] Podcasts – da war doch was. Das Radio zum Abonnieren hat seine treuen Nutzer, auch wenn Podcasting ein Nischen-Thema geblieben ist. Aber wie finanzieren sich die teils aufwendig und professionell produzierten Audiobeiträge? (Eine Einführung zum Thema hier im Blog: Podcasting für Unternehmen) […]

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CapsuleFM – personalisiertes Radio mit Nervpotenzial - benutzerfreun.de • vor3 Jahren

[…] Podcasts haben das Potenzial, personalisiertes Radio zu bieten – Audio aus meinen Lieblingsquellen zusammenstellt und so gemischt, wie ich es gern haben möchte. […]

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Ich freue mich über Ihre Anmerkungen & Fragen.

By Daniele Zedda • 18 February

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By Daniele Zedda • 18 February

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