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Newsletter 05/2013 – Der Journalismus verschwindet

Die Binsenweisheit Content Is King ist mittlerweile fast so häufig zu hören wie Benutzerfreundlichkeit ist im Web das Wichtigste. Und ebenso ist dieser Spruch oft nur ein Lippenbekenntnis.

Doch einige große Marken haben in letzter Zeit mehr und mehr hochwertigen Content produziert, der mit klassischem Marketing nichts mehr zu tun hat.

Bestes Beispiel für dieses Content Marketing ist Coca Cola. Die ganze amerikanische Site sieht nun mehr aus wie ein Nachrichtenportal. Süße Getränke kommen nur noch am Rande vor. Die vielen, teils hochwertigen Artikel sollen vor allem Suchmaschinen wie Menschen auf die Site locken. Und sie dann vielleicht an Cola denken lassen (zumindest die Menschen).

Coca Cola macht richtig Ernst mit Content Marketing.
Coca Cola macht richtig Ernst mit Content Marketing.

Mehr Details zur Strategie von Coca Cola: Coke bietet Content, nicht nur Cola – Content Marketing konsequent

Und auf Englisch gibt es hier noch weitere Beispiele: 5 Big Brands Confirm That Content Marketing Is The Key To Your Consumer

Screenshot Fantasctical
Fantasctical erkennt Textangaben, die mit Terminen zu tun haben, recht gut.

Computer verstehen immer mehr

Darüber, dass Computer einfache Texte formulieren können, habe ich vor einiger Zeit schon berichtet: Computer schreiben Texte

Und sie sind auch immer besser in der Lage zu verstehen, worum es in fremden Texten geht.

Denken Sie an die iPhone-Spracherkennung Siri. Oder an kleine Helfer wie Fantascical oder Due. Diese erkennen Texteingaben wie „Morgen Mittagessen mit Martha“ oder „Am 20. um 10 Andi anrufen“ zuverlässig. Damit lassen sich Termine viel schneller in den elektronischen Kalender eingeben als über das herkömmliche Interface.

Soziale Netze ersetzen Journalisten

Nach einer amerikanischen Studie von 2012 hat mehr als die Hälfte der Befragten wichtige Nachrichten zuerst in sozialen Medien erfahren. Allerdings hat der Traffic auf Medien-Sites, der durch Links auf Facebook, Twitter etc. kommt, in den letzten drei Jahren um 57 Prozent zugenommen.

Es könnte also so sein, dass man zwar auf Twitter von einer wichtigen Nachricht liest, dann aber zu einer klassischen Medien-Site geht, um mehr Infos darüber zu bekommen.

Nur in seltenen Fällen kommen Originalnachrichten direkt von Sozialen Medien. Die besten Beispiele dafür sind Situationen, in denen Reporter noch nicht vor Ort sind (z.B. die Notwasserung eines Flugzeugs im New Yorker Hudson River) oder nur schwer vor Ort können (wie etwa beim Arabischen Frühling).

Eine bizarre Tatsache: Die Erstürmung von Bin Ladens Haus in Pakistan wurde als Erstes über Twitter bekannt – ein Nachbar beschwerte sich über den Krach. (Unglaublich, scheint aber wahr zu sein: Man Inadvertently Live Tweets Osama Bin Laden Raid.)

Mehr dazu siehe: That’s Old News! How Social Media Is Replacing Traditional Journalism as a News Source

Outsourcing von Reportern

Was für Fabrikarbeiter seit Jahrzehnten Realität ist, gilt inzwischen auch für Journalisten: Ihre Jobs sind zunehmend vom Outsourcing bedroht.

Derzeit ist das Phänomen vor allem in den USA zu beobachten, vor allem, weil es weltweit viele Menschen gibt, die Englisch sprechen. Journalistische Texte kann man auch auf den Philippinen schreiben, wenn man alle Anfragen sowieso nur per E-Mail oder Telefon stellt. Und genau das machen Mitarbeiter solcher Unternehmen, die auch größeren amerikanischen Tageszeitungen zuarbeiten. Die ganze Geschichte: Journatic worker takes ‘This American Life’ inside outsourced journalism

Screenshot Scribe
Scribe analysiert Texte und schlägt vor, wie man sie verbessern kann, um in Suchmaschinen besser gefunden zu werden.

Schreibhelfer

Wer möglichst weit vorn bei den Suchmaschinentreffern gelistet sein will, der braucht gute Inhalte. Und damit die Suchmaschinen diesen finden, sollte man die richtigen Schlüsselwörter in der richtigen Häufigkeit verwenden. Daher gibt es schon lange Programme, welche die geschriebenen Texte analysieren und Optimierungsvorschläge machen. Ein sehr umfangreiches Werkzeug ist Scribe, das aber bisher nur für englische Texte funktioniert.

Schöne neue Welt? Die Zukunft des Journalismus

Richard Gingras, Mitbegründer des wegweisenden Webmagazins Salon und derzeit Head of News Products bei Google hat seine Ideen zur Zukunft des Journalismus in einem Vortrag skizziert, den er an der renommierten Harvard-Universität gehalten hat. (Siehe http://civic.mit.edu/blog/mstem/the-head-of-google-news-on-the-future-of-news)

Gingras meint, die Zeit von Portalen ist vorbei. Damit meint er nicht nur Nachrichtenportale im Web, sondern auch die klassische Zeitung, die versucht, alle Themen für alle Zielgruppen aufzubereiten. Darüber gehen die Meinungen natürlich weit auseinander.

Einen seiner wichtigsten (und unstrittigen) Punkte finde ich:

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Technik ändert, wird nicht abnehmen. Wer denkt, wir befinden uns in einer Übergangsphase von einer Ära zur nächsten, der irrt.

Von Disruptionen, also plötzlichen Änderungen, die ganze Industrien durcheinanderwirbeln, spricht derzeit jeder Medienberater. Und natürlich hat das Internet die Verlagswelt so durcheinandergewirbelt wie die Erfindung der Ozeandampfer die Segelschifffahrt.
Aber oft geht mit den Diskussionen der disruptiven Wirkung von WWW, iPhone etc. eine Vorstellung einher, dass wir gerade eine Veränderung durchmachen und bald in der Zukunft angekommen sind. Würde man sein Unternehmen durch dieses unruhige Fahrwasser manövrieren, dann wäre man in Sicherheit.

Aber wenn wir in der Zukunft angekommen sind, gibt es immer noch eine Zukunft – zum Glück.

Weltverbesserung per Computer-Texterkennung

Definitiv zu den tollen Entwicklungen gehört LazyTruth. Diese Erweiterung für Chrome/GMail überprüft selbstständig, ob es verlässliche Quellen zu den Themen findet, die in den eigenen E-Mails angesprochen werden. So kann man mit wenigen Klicks einen Irrtum bzw. ein Gerücht aufklären, das in einer E-Mail des nervigen Onkels steht, der einen immer mit den neuesten Verschwörungstheorien beglückt. Einige schöne Beispiele: And, Voila, Something That Will Finally Stop Your Crazy Uncle From Sending You More Cracked Forwards

Was meinen Sie? Wo geht es hin mit dem Journalismus und den Medien?

Zum Kommentar-Feld

Ich freue mich über Ihre Anmerkungen & Fragen.

By Daniele Zedda • 18 February

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By Daniele Zedda • 18 February

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