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Infos für Website-Konzepter und Usability-Freunde

Vorschaubild Text-Bild-Dramaturgie

Besucher begeistern durch Dramaturgie von Text & Bild – Newsletter 9/2018

Was ist der häufigste Fehler, den die meisten machen, wenn sie ihre Website konzipieren? Was denken Sie? Schlechte Gestaltung? Undurchsichtige Site-Struktur? Fehler in Rechtschreibung und Grammatik? Fehlende Suchmaschinen-Optimierung? Kommt alles vor, aber der häufigste Fehler ist, zu viel Text auf die Seiten zu packen.

Und dabei kommt es gar nicht so sehr auf die Qualität des Textes an. Allein die Masse macht das Problem. Selbst wer sich hervorragende Redakteure leistet und großartige Texte schreibt – Ihre Besucher wollen den Text nicht lesen. Sie suchen Informationen, und die schnell. Genau darum ging es neulich schon im Newsletter (Bessere Sites durch weniger Text).

Aber was können wir tun?

Nachdem ich gerade eine große Firmen-Website mit konzipiert habe, habe ich nochmal gründlich recherchiert. Die Ergebnisse dazu stelle ich Ihnen hier kurz vor. Das Gute ist: Eigentlich können wir uns das Leben leicht machen – und mit weniger Arbeit eine Site schaffen, die für ihre Besucher besser funktioniert.

Richtig gute Websites erstellen – die Dramaturgie von Bild & Text

Unternehmen und Konzepter haben nicht geschlafen. Websites sehen heute anders aus als vor zehn Jahren. Sie entsprechen den Nutzerwartungen besser.

Was hier Ursache ist und was Wirkung, darüber kann man streiten – Fakt ist, Websites kommen heute mit viel weniger Text aus als früher. Nutzer erwarten also weniger Text und lesen weniger Text, Konzepter sehen weniger Text vor, und die Nutzer erwarten noch weniger Text… Klingt, als könnte das Spiel an einen Punkt kommen, an dem gar kein Text mehr auf der Seite ist. So weit wird es nicht kommen, denn natürlich ist nach wie vor der Text der wichtigste Informationsträger.

Wenn Sie Ihre Seiten anlegen, müssen Sie das Spiel mitspielen. Sie sollten die Dramaturgie von Bild & Text beherrschen.

Interessanterweise passt eine technische Neuerung genau zu diesem Thema: Der Texteditor des beliebten Content Management Systems WordPress wird gerade umgestellt auf eine neue Version (siehe Alles neu bei WordPress – aber ist auch alles gut?). Das klingt harmlos, vielleicht langweilig. Es ist aber Zeichen für den Paradigmenwechsel, den wir bei der Konzeption von Websites erleben. WordPress war anfangs ein reines Blogsystem. Text stand ganz klar im Mittelpunkt. Davon hat sich WordPress nach 15 Jahren verabschiedet.

Wordpress verabschiedet sich nach 15 Jahren vom Text.

Der neue Editor erlaubt es jetzt. statt einen mehr oder weniger langen Text, eine bunte Abfolge von Textboxen, Bildern, Videos und anderen Inhaltselementen zu erstellen. Nachdem 70 Millionen Websites mit WordPress laufen, wird das unweigerlich beeinflussen, wie die Sites in Zukunft aussehen werden, die wir sehen.

Sie werden noch viel stärker auf einen dramaturgischen Mix von Inhaltselementen setzen. Und aus Nutzersicht ist das gut – und damit aus Betreibersicht. Denn es wird leichter, Websites zu erstellen, die erfolgreich sind, weil sie den Erwartungen der Benutzer entsprechen.

Gute Bespiele – best practices für informative Sites

Der Schwerpunkt der folgenden Tipps sind Unternehmens-Sites und generell solche Sites, die Informationen vermitteln wollen. Außen vor bleiben also Shops, Buchungsportale und alle Sites, die eine klare Aufgabe haben, die Nutzer auf ihnen erledigen sollen. Ebenso außen vor bleiben Nachrichten-Sites und Blogs. Denn die besuchen Nutzer tatsächlich, um Text zu lesen. Hier lesen sie auch lange Texte, wenn sie das Thema interessiert.

Es geht also um alle Websites, die irgendwie informieren wollen, ohne zu unterhalten und auf denen die Besucher keine längeren Texte erwarten.

www.tesa.de

Die Startseite des Klebebandherstellers zeigt mit drei Fotos, für welche Bereiche Produkte angeboten werden. Darunter steht jeweils nur ein Satz sowie drei Links zu den Unterseiten.

In Summe gibt es nur 10 Textblöcke auf der Seite, fast alle bestehen nur aus einem Satz. Lediglich der Text ganz oben hat 2 Sätze. Hier ist die Herausforderung, dem Besucher ganz schnell klarzumachen, auf welcher Site er hier gelandet ist.

Aus meiner Sicht ist das gut gelungen – ein klares Vorbild für Unternehmens-Sites.

Tesa.de folgt der klassischen Bild/Text-Kombination. Das Video oben fällt den meisten wohl nicht auf – was nicht schlimm ist, denn es transportiert kaum Information und taugt anders als der Rest der Site nicht als Vorbild.

www.leoni.com

Der Bereich „Unternehmen“ der Leoni-Gruppe hat nur einen einzigen Textblock mit 3 Sätzen. Und das in einem Bereich, in dem Unternehmen oft endlose Texte präsentieren – das Unternehmen ist so spannend und vielfältig, das will man nicht in 3 Sätzen abhandeln. Und doch ist genau das, was Nutzer erwarten.

Wer wirklich mehr wissen will, der sieht das Video an oder klickt auf einen der drei Teaser-Kästen unten.

So sehen gute „Über-uns“-Seiten aus.

Screenshot Site Leoni
Prominenter Header, kurzer Text, prominentes Video im Unternehmens-Bereich auf Leoni

www.jungheinrich.de

Gabelstapler sind keine besonders trendigen Produkte. Doch die Site von Jungheinrich setzt diese hervorragend in Szene. Die Startseite hat oben im Header ein Karussell – oft gesehen, aber wenig effektiv. Die meisten Nutzer sehen nur das 1. Bild hier.

Darunter folgen 8 Text-Bild-Blöcke. Das ist ein wenig viel, und die Anordnung macht es nicht besonders einfach, das zu überfliegen. Aber es sieht gut aus. Und die Texte sind gut, außerdem sind sie vor allem kurz. Jeweils nicht mehr als ein bis zwei Sätze. So soll es sein.

Screenshot Jungheinrich Startseite
Die Startseite von Jungheinrich ist lang, aber gut gegliedert.

www.smithweb.com

Nicht unbedingt empfehlen würde ich den Ansatz von Smith. Ich führe ihn aber mit auf, weil er so radikal ist. Hier finden wir überhaupt keinen Text auf der Startseite. Lediglich die Beschriftungen von Kacheln gibt es zu lesen.

Textreduktion im Extremen.

Screenshot Startseite Smith
Auf der Startseite von Smith gibt es keine Textblöcke, nur Kacheln.

www.ceconomy.de

Für meinen Geschmack etwas zu viel Weißraum nutzt Ceconomy.de, das Unternehmen hinter Media Markt und Saturn. Auf der Startseite stehen eigentlich nur zwei  Textblöcke, und die haben jeweils nur 2 Sätze. Alles andere sind Überschriften, die auf Detailseiten verlinken. Klar, reduziert, übersichtlich.

Screenshot Startseite Ceconomy
Auf der Site des Unternehmens, dem Media Markt und Saturn gehören geht es bunt zu. So kann man vorgehen, wenn man keine Fotos zeigen will (oder kann).

Fazit – so sehen Inhaltsseiten heute aus

Haben Sie viel zu sagen, schreiben Sie nur 1, maximal 2 Sätze.

Für jeden, der von seiner Sache überzeugt ist und für jeden, der gern Inhalte vermittelt, ist die Konzeption einer Website ein harter Prozess. Sie müssen sich extrem beschränken in den Textmengen, die Sie auf Ihren Unternehmensseiten bringen können. Einen weltweiten Konzern in 2 Sätzen beschreiben – das geht nicht. Und doch ist genau das, was große Unternehmen heute tun auf ihren Websites. Und genau das sollten Sie auch.

Sonst geht es Ihnen so, dass Sie ganz hervorragende Texte geschrieben haben, die Besucher Ihrer Site sich hinterher aber beschweren, dass sie keine Informationen gefunden hätten. Denn längere Texte liest niemand mehr. Also:

Fassen Sie sich kurz!

Zum Kommentar-Feld

Ich freue mich über Ihre Anmerkungen & Fragen.

By Daniele Zedda • 18 February

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By Daniele Zedda • 18 February

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