Webshop mit WooCommerce – Newsletter 1/2021

2020 hat viele Veränderungen mit sich gebracht, unter anderem einen starken Schub für den Onlinehandel. Insbesondere Besitzer von Ladengeschäften haben teilweise sehr schnell lernen müssen, wie sie das Web nutzen, um weiter verkaufen (und überleben) zu können. Viele haben den Schritt zu einer zusätzlichen Online-Präsenz gewagt. Für die meisten war es die Umsetzung eines Plans, den sie schon länger hatten. 

Screenshot Webshop Ina Bonheur
Der Webshop von Ina Bonheur

Wer einen Webshop anlegt, steht am Anfang vor der gleichen grundsätzlichen Frage wie jeder Website-Betreiber: Welche technische Plattform ist die richtige? Wie immer gibt es keine einfache Antwort auf diese Frage. Sehr viele setzen aber auf die Online-Lösung Shopify. Mit diesem System habe ich mich gerade intensiv auseinandergesetzt – im Februar erscheint dazu ein neues Buch von mir. 

Viel gelernt habe ich von mehreren Shopbetreibern, die mir netterweise in Interviews verraten haben, was sie gelernt haben. Damit Sie auch davon profitieren, hier das erste Interview mit zwei Gründerinnen, die sich gegen Shopify entschieden haben.

Interview mit Nina Danelon & Ingrid Hottner, Ina Bonheur

Ina Bonheur ist ein Concept Store in München und sieht sich als „moderner Welt-Laden“. Hier gibt es nur Produkte aus kleinen Betrieben, bei denen die Produktionsmethoden nachvollziehbar sind und die fair-trade zertifiziert sind. Das alles mit hoher Design-Qualität.

Nina Danelon, Mit-Inhaberin Ina Bonheur
Nina Danelon

Jens Jacobsen: Wie lange hat die Umsetzung eures Shops gedauert?

Nina Danelon: Den Laden eröffnet haben wir vor knapp eineinhalb Jahren, der Webshop hat dann nochmal mehr als ein Jahr gedauert. 

Ingrid Hottner: Eigentlich hat das nur eine Person gemacht, nämlich Nina. Ich habe davon überhaupt keine Ahnung. Technisch umgesetzt hat das dann ein Freund von uns, mit WooCommerce.

Jens: Warum habt Ihr euch für diese Lösung entschieden und nicht für Shopify? 

Nina: Weil wir uns nur um Texte und Fotos gekümmert haben und alles andere abgeben wollten. Unser Entwickler hat uns zu WooCommerce geraten. So haben wir die zukünftige Entwicklung völlig in der Hand, egal wie viele Sprachen, Kategorien oder Funktionen wir in der Zukunft haben.

Jens: Und, seid ihr zufrieden? 

Ingrid Hottner, Mit-Inhaberin Ina Bonheur
Ingrid Hottner

Ingrid: Also, die Umsetzung war schon extrem aufwendig. Und das Tool ist ein Dschungel, WooCommerce ist sehr komplex. Aber in der täglichen Arbeit klappt das gut, das läuft alles weitgehend automatisch. Wir müssen nur noch die Pakete zur Post bringen und die Versandnummer eintragen.

Nina: Die meiste Arbeit waren die Fotos. Da hast du als Webshop-Betreiber die Möglichkeit, einfach die Herstellerfotos zu nehmen. Die sind auch gut, technisch perfekt. Aber die sind halt total uneinheitlich. Der eine Hersteller macht die ganz clean, der nächste künstlerisch, der übernächste nochmal anders. Deshalb haben wir uns ordentliche Fotolampen gekauft, eine Leinwand für den Hintergrund für die Aufnahmen mit den Models und einen Aufnahmetisch für die kleineren Produkte.

Jens: Was ist wichtiger für euch: Webshop oder Laden? 

Ingrid: Beide. Es war für uns von Anfang an klar, dass beide unabhängig voneinander funktionieren müssen. Der Webshop ist nicht einfach nur ein Anhang an den Laden oder eine Notlösung für die, die nicht in den Laden kommen können. Wäre natürlich super, wenn man so wie früher sagen könnte, wir machen einen Laden auf und der finanziert uns. Das ist das Geradlinigste: Der Kunde kommt rein und ich verkaufe dem was. Aber uns war von Anfang an klar, wir wollen einen Webshop haben.

Nina: Und der Shop sollte auch neue Kunden reinbringen. Man kann ja alle Bestellungen bei uns im Laden abholen. Die Kunden, die im Internet etwas bei uns entdeckt haben, sollen dann vielleicht auch im Laden etwas entdecken. Und viele sind es gewohnt, erstmal im Internet zu gucken: Was hat denn der alles, ah, die haben diese Produkte, da finde ich, was ich brauche. Die meisten Leute wollen ja etwas Bestimmtes. Die suchen zum Beispiel ein schwarzes Sweatshirt. Wenn sie sehen, die haben das, dann gehen sie in den Laden rein.

Bei Ina Bonheur sind alle Produktfotos selbst aufgenommen. Viel Mühe, aber die ist es wert.

Jens: Würde da nicht einfach eine einfache Website ohne Shop reichen?

Nina: Unter Umständen. Aber was dann ja fehlt, sind die Preise. Und die Leute denken dann vielleicht, das ist zu teuer. Im Webshop sehen sie, dass das nicht so ist. 

Ingrid: Und die Leute sehen im Internet Erklärungen zu dem Produkt. Das hast du im Schaufenster nicht. Im Internet kannst du eben nachlesen, wo kommt das Sweatshirt her, aus welchen Werkstätten stammt es, was sind die Rohstoffe. Und du kannst lesen, warum uns genau das zusagt, warum wir es im Laden haben. So lange Texte liest du im Schaufenster nicht. 

Nina: Viele Leute trauen sich auch im Laden nicht zu fragen. Gerade die jüngeren unter 35 wollen das Gespräch nicht, die suchen sich was aus und kaufen oder eben nicht. Für solche Leute ist es besser, wenn sie vorab schon im Internet nachlesen können.

Jens: Wie findet man einen guten Partner für die technische Umsetzung?

Ingrid: Vor allem, indem man sich genau ansieht, was der vorher schon gemacht hat. Oder man findet heraus, wer die Umsetzung von Shops gemacht hat, die man gut findet.

Jens: Wie lief bei euch die Kommunikation mit dem Dienstleister?

Ingrid: Wir hatten ein Beispiel eines Shops, der uns sehr gut gefallen hat und haben ein paar Sachen aufgeschrieben. Dabei gab es aber auch ein paar Missverständnisse. 

Nina: Für die Startseite habe ich einen Entwurf in Photoshop gebaut. Aber noch immer ist es so, dass sowohl grafisch als auch von den Funktionen her noch nicht alles so ist, wie wir es uns vorgestellt haben. Unser Shop ist sehr minimalistisch. Da kommt es auf die Details an. Die Buttons, das müssen dann die perfekten Buttons sein. 

Jens: Was würdet ihr anderen empfehlen, worauf sollen sie achten, wenn sie ihren ersten Shop umsetzen?

Der eigene Webshop mit Shopify - Cover
Das Buch erscheint Ende Februar 2021.

Ingrid: Man sollte sich unbedingt viel Zeit nehmen, sich die verschiedenen Themes anzusehen. Da setzt man sich vielleicht sogar fünf Tage hin und sieht sich alles an, und probiert wirklich jedes Theme aus, was in Frage kommt. Da kann man schon die Designeinstellungen vornehmen und sehen, ob das passt. 

Nina: Es ist nicht so einfach, ein Theme anzupassen, daher ist es ganz wichtig, dass das Theme schon so gut wie möglich den eigenen Vorstellungen entspricht. Ein Theme kostet 59 Dollar. Das ist genau der Preis, den du zahlst, wenn du einen einzigen Button änderst, da braucht der Dienstleister vielleicht eine Stunde. Je besser das Theme also passt, desto weniger Ärger hast du am Ende. 


Der Shop im Web: Ina Bonheur

Die Ankündigung des Shopify-Buchs: Der eigene Webshop mit Shopify

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