Newsletter 06/2009 – Buchtipp: Zeitmanagement für Webentwickler

Fast jeder hat das Gefühl, dass die Zeit immer schneller aus ist als die Arbeit. Mir geht es daher so, dass ich immer mal wieder gern zu einem Ratgeber greife, der einem hilft, sich seine Zeit besser einzuteilen und seine Arbeit besser zu organisieren. Die Bücher dazu füllen ganze Bibliotheken (bei mir zu Hause reichen noch sieben Zentimeter im Regal). Aber wenn ein neues Buch mit dem Titel „Zeitmanagement für Webentwickler“ erscheint, dann kann man als Webarbeiter kaum widerstehen, es sich gleich zuzulegen.

Wie Webentwickler Dinge geregelt kriegen

Auf 224 Seiten beschreibt der Webentwickler Thomas Steglich viele Techniken, die man vielleicht vom Ansatz her kennt. Er fasst sie aber gut zusammen und vor allem beschreibt er, wie man sie schnell und wirkungsvoll in der täglichen Arbeit eines Webprofis umsetzt. Wer das Getting Things Done (GTD)-System von David Allen kennt, wird dessen Ansätze hier wieder erkennen. Es fehlt dabei natürlich die ausführliche Herleitung, warum dieses System so sinnvoll ist. Aber wer das Steglich glaubt (und das sollte man), der kann gleich damit loslegen.
Auch „Simplify Your Life“ hat in dem Buch einige Spuren hinterlassen – aber auch das nicht zum Schaden des Lesers.

Was in anderen Zeitmanagement-Ratgebern nicht zu finden ist, ist ein Abschnitt für Akquise und Marketing. Vom Ansatz her gefällt mir das gut. Nur die Tipps zum Gewinnen neuer Kunden kommen mir etwas praxisfern vor. „Direct Mailing“ und „Telefonmarketing“ werden auf Seite 59 noch als „Wege zum Kunden“ empfohlen. Fünf Seiten später wird das etwas relativiert. Insbesondere die Kaltakquise, also das Anrufen von Kunden, die man überhaupt nicht kennt, ist für Webentwickler aber meiner Meinung nach vollkommen ungeeignet – nicht nur „das Mittel zweiter Wahl“. Wer das schon einmal selbst versucht hat, wird wissen, was ich meine. Aus hundert Kontakten ergeben sich im Mittel nur ein bis drei Abschlüsse – und dabei sind bei gut 20 potenziellen Kunden jeweils meist drei, vier Telefonate, mehrere Mails und/oder Briefe sowie ein, zwei Präsentationen vor Ort nötig.

Projektmanagement in Kürze

Die Kapitel über Projektplanung, über Recherche & Analyse sowie über die Projektumsetzung haben mir gut gefallen. Für alle, die keine Riesenprojekte umsetzen und noch nicht viel Ahnung vom Projektmanagement haben, bieten die Tipps hier eine gute Grundlage. Wer tiefer einsteigen will oder eine größere Website mit einem Team von mehr als 10 Leuten stemmen will, der kommt aber um weitere Fachliteratur nicht herum.

Fehlender Mut zur Lücke

Die letzten zwei Kapitel, „Hard- und Software effektiver einsetzen“ und „Effizienz am Arbeitsplatz“ sind sehr allgemein gehalten. Ich verstehe Thomas Steglich nur zu gut, dass er diese Kapitel der Vollständigkeit halber mit aufgenommen hat. Doch der effiziente Leser, der seine Zeit gut im Griff hat, spart sich diese zwei Kapitel. Ein Beispiel: Backup und Versionierung sind wichtige Themen, und sie haben in einem solchen Buch ihren Platz. Wenn man sie aber nur auf jeweils weniger als einer Seite abhandelt, bringt das wenig. Wer schon eine Lösung hat, der braucht diese Abschnitte nicht. Und wer nicht, der hat am Ende immer noch keine.

Fazit

Das Buch ist sehr gut geschrieben und liest sich daher angenehm. Der Inhalt ist hervorragend strukturiert, man findet sich immer gut zurecht. Die Tipps sind auf die Praxis eines Webentwicklers ausgerichtet, alles ist pragmatisch angelegt und unnötige Theorie wird beiseitegelassen. Jeder, der als Freiberufler oder in einer kleineren Agentur Websites erstellt, ist mit dem Buch gut beraten. Wer für sehr große Kunden arbeitet oder als Angestellter eine große Website betreut, der wird zwar auch etwas aus dem Buch ziehen, aber mit manchen Tipps nicht so viel anfangen können.

Das Buch ist bei O’Reilly erschienen und kostet 24,90 Euro. Das Buch bei Amazon: Zeitmanagement für Webentwickler

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Link- und Literaturtipps zum Projektmanagement

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