Newsletter 09/2010 – Marketing vor Ort

Man muss nicht jedem Trend hinterherlaufen. Aber bei Twitter dachte ich zunächst auch, das sei nur ein Hype, der schnell vergeht und erkannte den Nutzen nicht. Deshalb empfehle ich jedem, sich den Dienst Foursquare zumindest mal anzusehen. Und sobald Facebook Places in Deutschland verfügbar ist, natürlich auch diesen.
Wer ein Geschäft hat, für den ist das sogar sehr wichtig – also zum Beispiel für Betreiber von Bars, Restaurants, Bäcker, Frisöre oder Einzelhändler, aber auch für Ärzte oder Anwälte. Für letztere gelten zwar starke Einschränkungen, da sie keine Werbung machen dürfen. Aber auch sie sollten zumindest dafür sorgen, dass man sie online findet, auch bei einer lokalen Suche.

Was ist ein location based service?

Foursquare ist ein location based service, zu Deutsch standortbezogener oder ortsbasierter Dienst. Hiervon tauchen in den letzten Monaten immer mehr auf; ihre Gemeinsamkeit ist, dass sie irgendetwas mit dem Ort zu tun haben, an dem ich mich gerade befinde – man spricht auch von Geotagging. Das heißt, diese Dienste laufen normalerweise als Programm auf meinem Handy oder Smartphone. Im einfachsten Fall verraten sie mir, was um mich herum los ist. Also zum Beispiel, welche Geschäfte es gibt, wo die nächste U-Bahn-Station liegt oder welche interessanten Gebäude hier stehen. Auch ein Routenplaner/Navi fällt in die Kategorie location based service.

Was solche Dienste bringen, muss man niemandem erklären. Schwieriger wird es mit Foursquare, Gowalla, Brightkite und Konsorten. Ihre Grundidee ist, dass man anderen mitteilt, wo man gerade ist. Das erscheint zunächst noch sinnloser als Twitter, mit dem man der Welt mitteilt, was man gerade macht. So haben Anwendungen wie Foursquare keinen erklärten Nutzen.

Wer sind die Anbieter?

Am größten und bekanntesten ist Foursquare, gefolgt von Gowalla und Brightkite. Facebook Places ist erst am 20.8.2010 in den USA an den Start gegangen – man muss abwarten, wie sich deren Position entwickelt.

Gowalla iPhone-App
Die iPhone-App von Gowalla mit der Anzeige der eingetragenen Orte in der Nähe

Wichtig ist noch Google Latitude – aber nur deshalb, weil es von Google angeboten wird, das den Suchmaschinenmarkt beherrscht und mit Google Maps noch immer wichtigster Anbieter von Kartenmaterial ist. So richtig in Schwung gekommen ist der Dienst noch nicht.
Außerdem gibt es noch Google Places, wo man die wichtigsten Daten seines Unternehmens eintragen kann, damit man auf Google Maps gefunden wird. Früher lief das bei Google übrigens unter dem Namen „Lokales Branchencenter“.

Wie funktioniert Foursquare?

Im Folgenden beschreibe ich Foursquare, das mir persönlich als der Dienst erscheint, der sich am weitesten durchsetzen könnte – sofern ihm Facebook mit seinen 500 Millionen Nutzern nicht das Wasser abgräbt – Foursquare hat gerade mal 3 Millionen Nutzer.

Will ich Foursquare ausprobieren, melde ich mich auf der Website an und lade die Anwendung für mein iPhone, Android-, Palm- oder Blackberry-Handy herunter. Mit der Anwendung kann ich mich nun an Orten „einchecken“, die in der Nähe meines aktuellen Standorts sind.

Foursquare zeigt die Orte, die es in der Nähe findet
Foursquare zeigt die Orte, die es in der Nähe findet

Ich kann sehen, welche Foursquare-Nutzer noch da sind (bzw. wer von den Menschen, die hier sind, so ein Nerd ist). Dann kann ich noch einen Kommentar oder Tipp zum Ort angeben, und das war es auch schon.

Wenn ich an einem so exotischen Ort bin, dass der noch nicht in Foursquare ist, kann ich diesen anlegen.

Wer sich in den letzten Tagen am häufigsten an einem Ort angemeldet hat, der wird dessen „mayor“ (Bürgermeister). Alles, was er davon hat, ist die Anzeige seines Namens auf der Seite der Lokalität.

Außerdem gibt es verschiedene „badges“ (Abzeichen) z.B. für seine erste Anmeldung oder dafür, dass man einen stark besuchten Platz aufsucht etc.
Außerdem kann man sich wie in Facebook mit seinen Freunden vernetzen und sieht, wo diese sich eingecheckt haben bzw. was sie für Tipps gegeben haben.

Was bringt Foursquare?

Wie gesagt, das klingt erstmal ziemlich nutzlos, aber um es selbst beurteilen zu können, sollte man es mal ausprobieren. Nach meinem derzeitigen Gefühl ist es mehr ein Spiel.

Man kann sich auch ansehen, welche Tipps andere Nutzer für die Orte in der Umgebung gegeben haben. So bekommt man Ideen, wo man hingehen könnte, wenn man z.B. in einer fremden Stadt ist.

Bei einem nicht so frequentierten Ort habe sogar ich es geschafft, Mayor zu werden.
Bei einem nicht so frequentierten Ort habe sogar ich es geschafft, Mayor zu werden.

Und man kann sich mit anderen einen Kampf um den Rang des Mayors liefern, indem man sich möglichst häufig an einem Ort anmeldet. Ob es sich dafür lohnt, ständig allen zu verraten, wo man sich aufhält, muss jeder für sich selbst entscheiden. Sicher macht es z. B. nicht den besten Eindruck beim Arbeitgeber, wenn seine Angestellten sich mehrfach am Tag bei der Kneipe gegenüber einchecken…

Wer nutzt location based services?

Glaubt man den Meinungsforschern von Forrester, nutzen weltweit nur ein paar Millionen Menschen diese Dienste – vor allem Männer (80 Prozent der Nutzer) zwischen 19 und 35 Jahren (70 Prozent).
Nur vier Prozent der amerikanischen Erwachsenen haben so einen Dienst überhaupt einmal ausprobiert, und nur ein Prozent nutzen Foursquare & Co regelmäßig.

Marketing mit Foursquare?

Wer aber experimentieren will oder vor allem technologieinteressierte junge Männer als Zielgruppe hat, der sollte sich Foursquare näher ansehen. In jedem Fall ist es aber für Betreiber von Ladengeschäften wichtig, im Blick zu behalten, was in den location based services über sie gesagt wird. Denn jeder Benutzer kann Ihren Laden als Ort bei Foursquare eintragen – und jeder kann dort einen Kommentar über Sie, Ihr Angebot oder Ihre Mitarbeiter abgeben.

Tipps für den Start des Foursquare-Marketings für Ladengeschäfte:

  1. Melden Sie sich an.
  2. Probieren Sie ein paar Tage aus, wie der Dienst funktioniert und was dessen Nutzer hier so tun.
  3. Suchen Sie so viele Freunde wie möglich – je mehr, desto nützlicher wird der Dienst. Am besten überreden Sie ein paar echte Freunde zum mitmachen, die in der Nähe wohnen.
  4. Tragen Sie Ihr Geschäft ein.
  5. Tragen Sie Tipps ein. Z. B. die Öffnungszeiten, Infos zu Parkplätzen, Sonderangeboten etc.
  6. Bieten Sie Kleinigkeiten für Mayor/Intensivnutzer etc. an.
  7. Weisen Sie auch im Laden selbst auf Ihr Engagement bei Foursquare hin.

Vorsichtig würde ich mit der Verknüpfung zu Twitter und Facebook sein. Überlegen Sie sich gut, ob Sie all Ihre Aktivität auf Facbook ständig zu allen Followern/Freunden senden wollen. Das kann diese schnell nerven.

Und werden Sie nicht selbst Mayor Ihres eigenen Ladens – auch Ihre Mitarbeiter sollten das nicht sein. Gegen sie haben Ihre Kunden keine Chance.

Wie nutzen andere Foursquare?

Starbucks ist hier z. B. ziemlich stark vertreten. Sie haben sogar eine eigene badge, die bekommt, wer sich häufig dort eincheckt. Wer Mayor ist, der bekommt Rabatt auf seinen Kaffee. Auch kleine Cafés bieten das immer häufiger an: Vergünstigungen oder Freigetränke für den Mayor.

Manche Geschäfte bieten dem Mayor ein Freigetränk.
Manche Geschäfte bieten dem Mayor ein Freigetränk.

Das ist aber nicht unproblematisch, weil es bei stark besuchten Orten ganz schön schwierig ist, Mayor zu werden (und zu bleiben). Das kann schnell zu Frustration bei denen führen, die es nicht schaffen, den Mayor zu verdrängen.

Sinnvoller erscheint mir daher der Ansatz, allen, die sich einchecken, eine Kleinigkeit anzubieten. In jedem Fall ist es aber extrem wichtig, dass dann auch jeder Mitarbeiter in Ihrem Laden Bescheid weiß und den stolzen Mayor nicht fragen muss: „Was ist denn Foursquare?“

Die Minimallösung: Gefunden werden

Wenn Sie auf all dies keine Lust haben – oder wenn sich der Aufwand für Sie nicht lohnt – dann sollten Sie zumindest dafür sorgen, dass Sie online gefunden werden. Tragen Sie Ihr Unternehmen also unbedingt bei Google Places ein, und am besten auch bei Facebook Places, Foursquare, Gowalla und Brightkite. Kneipen und Restaurants sollten im Bewertungsportal Qype vertreten sein, aber auch praktisch alle anderen können sich ebenso hier eintragen – Kosmetikstudios, Handwerker, ja sogar Rechtsanwälte und Ärzte. Für letztere gibt es auch spezielle Portale wie z.B. Jameda. Sorgen Sie dafür, dass hier Adresse, Sprechstunden etc. korrekt sind. Hotels und Geschäfte, die für Touristen interessant sind, tragen sich am besten noch bei Holidaycheck ein – die Bewertungen hier werden auch von Google Maps angezeigt.

Links

Tipps zum Marketing mit Geotagging im Gastro2null-Blog

Location-Based Social Networks: A Hint Of Mobile Engagement Emerges
Studie von Forrester (nur sehr kurzer Exzerpt kostenlos, ganzer Text 500$)
kurzer (englischer) Blogpost von Melissa Parrish dazu (Mitarbeiterin von Forrester)

http://foursquare.com
Foursquare

http://gowalla.com
Gowalla

http://brightkite.com
Brightkite

www.facebook.com/help/?page=1159&hloc=en_US
Facebook Places

www.google.com/latitude/apps
Google Latitude

www.google.com/support/places/
Goolge Places, wo man kostenlos sein Unternehmen eintragen kann, um auf Google Maps präsent zu sein

www.qype.com/de
Qype

www.jameda.de
Jameda

http://holidaycheck.de
Holidaycheck

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