Loading
Loading

benutzerfreun.de

Infos für Website-Konzepter und Usability-Freunde

Newsletter 05/2012 – Finden statt suchen mit Faceted Navigation

Die zentrale Frage der Informations-Architektur ist: Wie sortiere ich meine Inhalte so, dass sie die Besucher meiner Site finden?

Eingrenzung der Suchergebnisse bei Wexcameras.com
Eingrenzung der Suchergebnisse bei Wexcameras.com mit Hilfe von Facetten

Bei manchen Dingen fällt die Antwort leicht, bei anderen muss man länger nachdenken und verschiedene Varianten testen. Und bei manchen gibt es überhaupt keine richtige Antwort. In diesen Fällen muss man sich für die Lösung entscheiden, die am wenigsten schlecht ist. Oder man nutzt eine Technik, die Faceted Navigation bzw. Faceted Search heißt.

Was ist Faceted Navigation?

Weder der Begriff noch die Technik sind neu. Trotzdem setzen sich die Facetten so richtig erst seit ein paar Monaten in der breiten Masse durch. Auch wenn es Sites gibt, die schon seit Jahren mit dieser Technik arbeiten.

Facetten erlauben es, Dinge zu finden, die sich nicht einfach in eine Liste oder in eine Hierarchie einordnen lassen. Eine Facettennavigation hilft also zum Beispiel, ein Suchergebnis weiter einzugrenzen.

Wann Facetten unnötig sind

Je einfacher eine Sortierung, desto besser. Haben Sie Dinge, die Sie in einer linearen Liste anordnen können, dann ist die Sortierung klar. Um zum Beispiel auf einer Shop-Seite die verfügbaren Größen eines bestimmten Schuhmodells in Schwarz anzugeben, sähe das so aus:

  • 39
  • 41

Kommen aber noch weitere Eigenschaften hinzu, ist eine Liste meist nicht mehr sinnvoll. Gibt es das Schuhmodell etwa in mehreren Farben, dann ist eine Tabelle meist am besten:

Modell3839404142434445
schwarz21
pink372

 

So eine Anordnung nennt man zweidimensional, weil sie den Inhalt nach zwei Kriterien sortiert – nach der Schuhgröße und nach der Farbe.

Wann die Facettenklassifikation sinnvoll ist

Gibt es noch mehr Eigenschaften, dann wird es mit einer Tabelle schwierig, Sie haben dann drei oder mehr Dimensionen. Also drei oder mehr Eigenschaften, nach denen Sie die Dinge sortieren können – und nach denen Ihre Nutzer möglicherweise suchen.

In unserem Beispiel gibt es den Schuh nicht nur in verschiedenen Größen und verschiedenen Farben, sondern auch mit Klettverschluss oder Schnürsenkeln. In einer Tabelle bringen Sie das nicht mehr sinnvoll unter. Sie hätten folgende Möglichkeiten:

  • zwei Tabellen, z.B. eine für die schwarzen, eine für die pinken Schuhe oder eine für das geschnürte Modell, eine für das mit Klettverschluss
  • eine verschränkte Tabelle
  • eine Tabelle mit geteilten Tabellenfeldern
  • eine Tabelle mit Indizierung

Die verschränkte Tabelle sähe so aus:

Modell3839404142434445
schwarz, geschnürt11
pink, geschnürt22
schwarz, Klettv.3
pink, Klettv.12

Geteilte Tabellenfelder könnte man so umsetzen:

Modell3839404142434445
schwarz (geschnürt/Klettv.)1/–1/3–/2
pink (geschnürt/Klettv.)–/13/––/2

 

Die indizierte Tabelle sieht ähnlich aus, nur dass die Erklärung der Teilung nicht in der linken Spalte steht, sondern als Legende unter der Tabelle. Die Angaben für das Modell mit Klettverschluss wären dann z.B. mit einem Sternchen markiert.

Können Sie die Objekte nicht sinnvoll in einer Tabelle anordnen, dann ist meist eine Facettenklassifikation sinnvoll.

Beispiel Wein – ein Produkt mit vielen Facetten

Am Beispiel von Wein sieht man gut, wie schwierig die Einsortierung von Produkten ist. Wir sehen uns also mal zwei Web-Weinläden an:

Jacques‘ Weindepot

Um auf der Site von Jacques‘ einen Weißwein zu finden, muss man sich durch eine lineare Auswahl hangeln:

  1. Start/Farbe: Wir klicken links in der Navigation auf „Weißwein“.
  2. Land: Wir wählen „Deutschland“.
  3. Region: Wir wählen „Mosel“.

Nun sind wir auf der eigentlichen Trefferseite. Viele Klicks waren das nicht, die Navigation ist an sich nicht schlecht. Man sieht neben den Auswahlmöglichkeiten in Klammer immer auch die Anzahl der Weine, die es darin gibt. Und rechts neben der Landkarte sieht man auch schon die ersten Treffer mit Bild. Aber es geht besser.

Denn was, wenn für mich nicht so wichtig ist, wo der Wein her kommt? Wenn mich eher interessiert, was er kostet? Dann stelle ich nun fest, dass ich nun die anderen Regionen abklappern muss. Das geht nicht unkomfortabel über die Navigation in der linken Seitenleiste.

Navigation bei Jacques.de
Die Navigation zum Wein bei Jacques.de

Als unterster Punkt in der Navigation gibt es übrigens den Punkt „Weißwein-Typen“. Der bietet einen alternativen Zugang zu den Weinen, sortiert nach Typ/Geschmack. Der Punkt ist mir aber erst ganz am Ende aufgefallen und auch nur, weil ich mich für den Newsletter so lange mit der Site beschäftigt habe.

Delinat

Bei Delinat.com sieht die Suche nach der richtigen Flasche so aus:

Die Facetten bei Delinat.com
Auf der ersten Shop-Seite gibt es eine gut sichtbare Hilfe.
  1. Start: Wir bewegen die Maus über „Einkaufen“ in der Navigation.
  2. Start, Teil 2: Wir klicken „Wein“.
  3. Farbe: Wir klicken auf „Weißwein“.
  4. Preis: Wir klicken auf „bis 7 EUR“.

Der Witz dabei ist: Im Hauptteil der Seite rechts neben den Auswahlfeldern sehe ich sofort alle Weine, die meiner Auswahl entsprechen. Nach den vier obigen Schritten bin ich bei 9 verschiedenen Flaschen. Wenn ich nun noch unter „Region“ die einzige deutsche Region „Rheinhessen“ auswähle, bleiben nur noch 3 Flaschen übrig, zwischen denen ich mich entscheiden muss.

Facettennavigation bei Delinat.com
Facettennavigation bei Delinat.com

Die Anzahl der Klicks, um auf die letzte Seite unseres Beispiels zu kommen, war bei Delinat höher. Und trotzdem funktioniert die Suche viel, viel besser. Denn man sieht immer sofort, welche Weine nach der jeweiligen Auswahl übrig bleiben. Und gerade, wenn man noch gar nicht genau weiß, was man sucht, kommt man mit der Facettennavigation viel schneller zu einem Ergebnis.

Fazit

Die Erklärung der Faceted Navigation ist etwas umständlich, aber wer sie einmal auf einer Website ausprobiert hat, versteht sofort, warum sie so praktisch ist.

Wie vieles, was für die Nutzer bequem ist, ist sie für denjenigen, der sie umsetzen muss, recht mühsam. Aber der Aufwand lohnt sich für jeden, der Dinge auf seiner Site anbietet, die sich nicht einfach sortieren lassen. Und wer einen Shop betreibt, für den ist eine Facettenklassifikation fast schon Pflicht – der Aufwand amortisiert sich sehr schnell. Denn die Besucher finden mit Faceted Search Dinge so viel schneller und bequemer, dass sich das sehr schnell im Umsatz zeigt.

Links

www.jacques.de
Der online-Shop von Jacques‘

www.delinat.com
Die Site von Delinat mit Facettennavigation

http://iainstitute.org/de/translations/000551.html
Der Fachartikel „Wie man eine Facettenklassifikation erstellt und diese ins Web bringt“ – sehr tiefgreifend und theoretisch fundiert. Lesenswert (auch wenn hier nicht Wein, sondern Spülmittel als Beispiel dient…)

www.alistapart.com/articles/design-patterns-faceted-navigation
Der englische Beitrag „Design Patterns: Faceted Navigation“ von Peter Morville und Jeffery Callender zeigt einige gute Beispiele.

Zum Kommentar-Feld
Reaktion(en) (1)
Schöner Suchen, fixer finden | benutzerfreun.de • vor7 Jahren

[...] Wie sorgen Sie dafür, dass die Besucher Ihrer Site auch das finden, was sie suchen? Je mehr Dinge Sie anbieten, desto schwieriger wird es, das sicherzustellen. Im aktuellen Newsletter finden Sie Tipps, wie Ihnen die Technik der “Facettennavigation” dabei helfen kann: Newsletter 05/2012 – Finden statt suchen mit Faceted Navigation [...]

antworten

Ich freue mich über Ihre Anmerkungen & Fragen.

By Daniele Zedda • 18 February

← PREV POST

By Daniele Zedda • 18 February

NEXT POST → 34
Share on