Newsletter 02/2003 – Sitemaps in der Konzeption

Das übliche Hilfsmittel zur Strukturierung einer Website bei der Konzeption ist die Sitemap – auch Flussdiagram, Flowchart, Struktogramm oder Ablaufdiagramm genannt. Manche sprechen sogar nicht ganz richtig von Storyboard. (Der Begriff Storyboard kommt aus dem Trickfilm-Bereich, wo er eine Sammlung von Skizzen aller Szenen bezeichnet. Ein Storyboard im Multimedia-Bereich ist normalerweise eine Folge von Skizzen für jeden wesentlichen Zustand, die den Ablauf einer Animation oder interaktiven Anwendung zeigen.)

Die Sitemap wird üblicherweise auch auf der Website selbst abgebildet, um den Benutzern eine Übersicht zu geben. Doch im Folgenden soll es nur um die Sitemap in der Konzeption gehen.

Wann erstellt man die Sitemap?

Die Sitemap ist üblicherweise der erste Teil des Feinkonzepts, dem Bauplan der Site. Die Sitemap legt die Informations-Architektur der Site fest. Zuvor haben Sie im Grobkonzept Rahmenbedingungen, Ziele, Zielgruppe, Umfang und Funktionen definiert. Sie wissen nun also schon recht genau, was auf die Site soll.

Wozu dient die Sitemap?

Mit der Sitemap bringen Sie die Inhalte in eine Struktur. Sie gibt an, wie die Themen auf die Bereiche und Unterbereiche verteilt sind und welche Seiten Links zu welchen anderen Seiten enthalten – das heißt, auf welchem Weg der Benutzer sich von der Startseite aus durch die Site bewegt. Sie sollten tatsächlich jede HTML-Seite angeben, die erstellt werden soll.

Gruppen von Seiten können Sie zusammenfassen. Etwa wenn wie bei einem Katalog oder einem Nachrichtenarchiv größere Datenmengen mit gleichem Seitenaufbau vorhanden sind.

Wenn Sie eine Site erstellen, die mit einem Content Management-System (CMS) umgesetzt wird, ist das Erstellen der Sitemap etwas schwieriger. CMS kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn große Datenmengen anfallen, die sich häufig ändern – etwa bei Nachrichten-Sites. Deshalb sind hier sowohl Inhalt sowie meist auch Zahl der Seiten variabel. In so einem Fall erstellt man eine Sitemap, auf der alle Bereiche der Site sowie zumindest alle Seitentypen (Vorlagen) eingezeichnet sind. Bei CMS definieren Sie einige Vorlagen, nach denen das System die jeweiligen Inhalte (Text, Bilder etc.) zu einer HTML-Seite aufbereitet.

Zeichnen der Sitemap

Bei der Darstellung der Sitemap herrscht im deutschsprachigen Raum recht großes Durcheinander. Jeder Konzepter scheint sein Spezialrezept zu haben. Ich empfehle daher die Darstellungsweise, wie sie in Amerika üblich ist. Sie wird von den meisten Agenturen dort verwendet. Der Konzepter Jesse James Garrett hat sich um die Vereinheitlichung verdient gemacht, indem er diese Darstellungsweise schriftlich fixiert hat. Bei www.benutzerfreun.de finden Sie eine Übersicht zum Ausdrucken sowie Vorlagen, die Sie in gängigen Flowchart-Programmen als Bibliothek verwenden können.

Grundregeln für Sitemaps

–> Machen Sie alle Kästen für HTML-Seiten gleich groß, damit auch weniger erfahrenen Auftraggebern klar ist, dass jeder Kasten für eine einzige Seite steht.

–> Setzen Sie Farbe sparsam ein. Nur wenn eine Unterscheidung nötig ist, sollten Sie einzelne Elemente unterschiedlich einfärben. Bleiben Sie auch dann konsistent.

–> Sorgen Sie dafür, dass die Sitemap übersichtlich bleibt. Zeichnen Sie lieber für verschiedene Bereiche eigene Sitemaps, als alles auf ein Blatt zu quetschen.

Sie müssen nicht alle Querverlinkungen zwischen den Seiten einzeichnen, sonst wird die Sitemap schnell sehr unübersichtlich. Dass jede Seite zur Startseite verweist, versteht sich von selbst und muss nicht eingezeichnet werden. Auch Querverlinkungen, die nur als Zusatzinformation für wenige Benutzer gedacht sind, gehören nicht unbedingt auf die Sitemap. Sie müssen die Balance zwischen einer detaillierten und einer unübersichtlichen Sitemap finden.

Auch technische Prozesse wie etwa das Anmelden registrierter Benutzer brauchen Sie nicht als perfektes Funktionsdiagramm anzulegen. Das können Sie in einem eigenen Flussdiagramm für den Programmierer tun.

Sitemaps Zeichnen mit MS Office

Einige Konzepter erstellen ihre Sitemaps mit Zeichenprogrammen wie Illustrator oder den Zeichen-Funktionen von Microsoft Word. Das ist vor allem deshalb lästig, da Sie jede Linie verschieben müssen, wenn Sie einen Kasten verschieben. Falls Sie kein neues Programm kaufen wollen, sollten Sie lieber PowerPoint oder Excel verwenden. Diese haben im Gegensatz zu Word echte Verbindungslinien, die an Kästen fixiert werden können und sich automatisch mitbewegen, wenn ein Kasten verschoben wird. (Diese Funktionen sind ab Office 97 unter Windows und ab Office 98 beim Mac verfügbar.)

Gehen Sie in PowerPoint oder Excel auf das Menü „Extras/Anpassen“ und aktivieren Sie die Symbolleiste „Zeichnen“. Wählen Sie „Auto Formen“ und dort den Eintrag „Flussdiagramm“. Hier stehen Ihnen die wichtigsten Formen zur Verfügung. Verwenden Sie zum Verbinden der Kästen die Linien aus „Verbindungslinien“, sonst bekommen Sie wieder ganz normale Linien, die sich nicht mit den Kästen zusammen bewegen.

Komfortabler arbeiten Sie mit einem der folgenden Programme.

Diagramm-Software

Microsoft Visio bietet eine Vielfalt von Funktionen, die aber das einfache Arbeiten auch ohne Handbuchlektüre nicht behindern. Allerdings müssen Sie eventuell etwas suchen, bis Sie die richtigen Bibliotheken mit Vorlagen gefunden haben. Die Elemente lassen sich mit Visio auch aufwändig programmieren, außerdem kann man viele verschiedene Arten von Diagrammen damit erstellen. All das ist für Sitemaps aber an sich nicht nötig. Visio gibt es nur für Windows.

Deutlich günstiger als Visio ist sein Konkurrent Concept Draw. Dieses Programm bietet fast alles, was Visio bietet. Außerdem gibt es Concept Draw auch für den Macintosh.

OmniGraffle ist anders als die zwei zuvor genannten Programme klein, schlank, billig und sehr intuitiv zu bedienen. Es hat nur die Grundfunktionen, die man zum Zeichnen und Formatieren von Sitemaps und anderen einfachen Diagrammen braucht. Für alle, die nichts weiter erwarten, ist OmniGraffle die erste Wahl; die Arbeit damit macht richtig Spaß. Leider gibt es das Programm nur für Macintosh.

Vom selben Hersteller kommt OmniOutliner. Damit lassen sich einfach gut strukturierte Gliederungen und Listen erstellen. Das Programm macht das, wofür die meisten Leute Excel benutzen, nur viel intuitiver. Die Gliederungen von OmniOutliner lassen sich mit OmniGraffle öffnen und werden dann automatisch in eine richtig strukturierte Sitemap umgesetzt. Perfekt durchdacht, spart dem Konzepter unglaublich viel Arbeit – auch das nur am Mac.

Inspiration ist eine Software, die eigentlich für Kinder entwickelt wurde. Allerdings lassen sich damit auch ganz gut Sitemaps zeichnen. Für die Basisfunktionen ist das Programm ausreichend. Es ist für Windows und Mac erhältlich.

Das Programm VisualThought ist kostenlos. Allerdings ist die Benutzeroberfläche sehr gewöhnungsbedürftig. Es ist für Windows und Linux erhältlich.

Flowcharter von iGrafx (früher Micrografx; gehört inzwischen zu Corel) versucht ebenfalls ernsthaft Visio Konkurrenz zu machen. Das Programm gibt es nur für Windows. Es gehört auch eher zu den teuren Programmen, die viele Funktionen mitbringen, die man für Sitemaps eigentlich nicht braucht.

SmartDraw ist mit wesentlich weniger Funktionen ausgestattet. Für die meisten einfachen Diagramme wie etwa Sitemaps ist SmartDraw aber vollkommen ausreichend. Es ist nur für Windows erhältlich.

Doch all diese technischen Fragen sind zweitrangig. Genauso können Sie Ihre Sitemaps mit Stift und Papier anlegen. Alles, was diese leisten müssen ist, Ihnen Sie selbst, dem Auftraggeber und dem HTML-Programmierer verdeutlichen, aus welchen Seiten die Site besteht und wie sie miteinander verbunden sind.

Links

www.benutzerfreun.de/konzepter-infos/vorlagen_sitemaps.html

Vorlagen für Sitemaps mit Visio, Concept Draw und OmiGraffle sowie eine Übersicht der Elemente zum Ausdrucken.

www.jjg.net/ia/visvocab/

Jesse James Garrett und sein „Visual Vocabulary“ zum Erstellen von Sitemaps.

Links & Preise Diagrammsoftware

Visio (www.eu.microsoft.com/germany/ms/viprma/visio2002/)

245 EUR kostet die Standard-Version, 533 EUR Professional

Concept Draw (www.conceptdraw.com/de/products/)

125 EUR Standard-Version

OmniGraffle (www.omnigroup.com/applications/omnigraffle/)

Testversion erhältlich (volle Funktionalität, jedoch maximal 20 Elemente pro Blatt); Vollversion 60 US$

OmniOutliner (www.omnigroup.com/applications/omnioutliner/)

30 US$

Inspiration (www.inspiration.com)

70 US$

VisualThought (www.confluent.com – offline)

Die Site des Herstellers ist offline, das kostenlose Programm kann noch heruntergeladen werden unter www.bombshellstudios.com/samples/co/downloads.html

Flowcharter (www.iGrafx.com/products/flowcharter/)

395 US$

SmartDraw (www.smartdraw.com/deutsch/info/index.htm)

SmartDraw Standard 50 US$
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(c) Jens Jacobsen 2003

Bei Weiterleitung oder Zitat bitte Quellenangabe („Quelle:
benutzerfreun.de-Newsletter Februar 2003“).

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