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Website-Konzeption: Erfolgreiche Websites planen, umsetzen und betreiben

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Kann man Benutzerfreundlichkeit von Text messen – Zusammenfassung

Wichtigster Informationsträger im Web ist Text. Da liegt es nahe, dessen Benutzerfreundlichkeit messen zu wollen. Dazu gibt es mehr als 50 Formeln, die seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Verständlichkeitsforschung entwickelt wurden.

Diese Formeln sind anscheinend tatsächlich als Indikator geeignet, um die Textqualität auf einer HTML-Seite anzuzeigen.

In einer kurzen Studie habe ich sechs gebräuchliche Formeln für die einzelnen Seiten einer Website ausgerechnet und mit den Qualitätsurteilen dieser Seiten aus einer vorigen Studie verglichen. Die Ergebnisse habe ich auf der Tagung Mensch und Computer 2006 vorgestellt (siehe Tagungsband: Jacobsen, J., Zitzelsberger, A.: Kann man die Benutzerfreundlichkeit von Text messen? in: Bosenik, T. et al.(Hg.): Usability Professionals 2006).

Die Test-Seiten

Die getesteten Seiten stammen von der Studie „Text im Web“, die ich 2005 durchgeführt habe. Daher stammen auch die Qualitätsmesszahlen für die fünf verschiedenen Versionen der Site.

Die Indices

Zusammen mit Andreas Zitzelsberger habe ich ein Perl-Programm entwickelt, das folgende Indices für eine beliebige HTML-Seite berechnet:

  • Amdahl
  • Deutscher SMOG-Index
  • Flesh Reading Ease
  • Fuck
  • Gunning-Fog
  • Wiener Sachtextformel

Nachtrag 12/2010:Eine Leserin hat mich darauf hingewiesen, dass die Formel von „Amdahl“ identisch ist mit der, die Toni Amstad zugeschrieben wird. Ich vermute, dass es sich bei „Amdahl“ um einen falschen Namen handelt, der irgendwie seinen Eingang in die Literatur gefunden hat. Man trifft ihn etwa auf diesen Seiten:
www.doku.net/artikel/lesbarkei0.htm
http://mars.wiwi.hu-berlin.de/lesbarkeit/lesbarkeit.html

Die Ergebnisse

Alle getesteten Indices korrelierten stark mit den Benutzerurteilen. Je höher Usability und Textqualität waren, desto besser waren die Werte der Indices. Das ist insofern keine Überraschung, da die Indices in formalisierter Form widerspiegeln, was die wichtigsten Regeln für guten Web-Text vorgeben: Verwende einfache Wörter und kurze Sätze.

Aus der Untersuchung ging nicht hervor, ob einer der Indices besonders gut oder schlecht geeignet ist. Der Flesh Reading Ease beispielsweise lässt sich gut einsetzen. Er ist der bekannteste Index – vor allem deshalb, weil er einfach zu berechnen ist und die weit verbreitete Textverarbeitung Microsoft Word ihn ausrechnen kann. Allerdings ist die Funktion etwas versteckt:man muss ein Dokument vollständig durch die Rechtschreibprüfung bringen, dann wird am Ende der Index-Wert angezeigt.

Fazit

Die Indices könnten dazu eingesetzt werden, die Seiten innerhalb einer Website herauszufinden, bei denen eine Verbesserung des Textes am dringendsten ist. So zeigen die Werte bei den untersuchten Seiten z.B. an, dass auch in der Fassung mit für das Web optimiertem Text eine Seite heraus sticht: die mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Vorsicht / Einschränkung

Allerdings muss man sich bewusst sein, dass die untersuchten Formeln lediglich die formalen Kriterien der Wort- und Satzlänge berücksichtigen.

Für eines sind die Formeln sicher nicht geeignet: die Textqualität absolut zu beurteilen. Weder Barrierefreiheit noch Benutzerfreundlichkeit lassen sich mit solchen Methoden absolut messen. Denn die Formeln geben hervorragende Werte für Texte wie diesen:

Das ist gut. Der Text ist kurz. Kurz gibt gute Werte. Aber Benutzerfreundlichkeit ist nicht.

Ob Absicht oder nicht – so einfach lassen sich die Formeln austricksen, daher werden noch einige Jahre Menschen nötig sein, um die Textqualität zu beurteilen und automatisch erstellte Indices zu interpretieren.

Ausblick

Ein viel versprechender Ansatz ist, neben den formalen Kriterien auch inhaltliche in eine Formel für die Textverständlichkeit aufzunehmen. Dann könnten auch weitere Probleme erfasst werden, die einen Text schwer verständlich machen.
Zum Beispiel:

  • Passiv
  • Substantivierungen (Wörter auf –heit, –keit, –ung, –ierung etc.)
  • Absatzlänge
  • Zwischenüberschriften
  • Einsatz von Listen
  • Überflüssige Wörter (z.B. nun, doch, wohl, allerdings, eigentlich)

Derzeit gibt es noch keine solche Formel, wir arbeiten aber daran und wären gespannt von Ihnen zu hören, wenn Sie das auch tun oder von jemandem wissen, der das möchte – mailen Sie mir unter jjacobsen@benutzerfreun.de!

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